Aufgelesen!
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        Das Ehrenamt

1 Es freut den Menschen - allgemein,
   fällt es den andern Menschen ein,
   ein Ehrenamt nun zu bekleiden.
   Dafür sollt man ihn nicht beneiden.
   Solch Ehrenmänner  gibt's in Massen,
   und dazu muß der Mensch auch passen.
   Meist wird erst gar  nicht abgezählt.
   Wer will, wird einstimmig gewählt!
   So weit, so gut, so fängt es an.
   Der Mensch steht vorn. - Frau oder Mann.

2 Sich so aus seinem Alltag heben,
    ins Ehrenamt sich zu begeben,
   bereitet ehrlich, große Lust.
   Der Mensch wirft sich nun in die Brust
   und will nun auch viel Gutes tun,
   gemeinhin zu der Menschheit Ruhm.
   Er will sein Können, will sein Ringen
   nur widmen den Gemeinschaftsdingen.
   Gar nichts für sich, nur für das Ganze
   steigt mutig er nun in die Schanze.

3 Doch ach, wie zu dem Ei das Gackern,
   gehört zum Ehrenamtserfolg das Rackern.
   So merkt er bald, daß dieses Amt,
   zehrt mächtig am Privatbestand.
   Der Mensch, der jetzt of nächtens tagt,
   merkt, daß sein Partner sich beklagt.
   Dem kann das Ehrenamt nichts geben,
   als ein gestörtes Eheleben.
   Zu Hause muß er statt der Ehren,
   doch viel Gemütlichkeit entbehren.

4 Der Mensch, er macht die Nacht zum Tag,
   verzehrt so seines Körpers Kraft.
   Er ersetzt das dann ganz ohne Frage,
   im Gasthaus mit 'ner lütjen Lage.
   Die kostet jedes Mal Moneten.
   Da reichen dann nicht die Diäten.
   Zumal, wenn dafür nichts bewilligt
   und solcherlei nicht zugebilligt.
   Man denkt, des Menschen willig Tun,
   bezahle sich mit Ehr und Ruhm.

5 Die aber, die mit ihren Stimmen,
   ihm halfen, solches Amt erklimmen,
   die sich geheim ins Fäustchen lachen,
   würden alles anders - besser machen.
   Sie pflegen sich in ihrem Heim
   verlangen nur - so müßt' es sein!
   Der Mensch, so vorne hingestellt,
   bedarf von euch, daß ihr ihm helft.
   Kritissiert ihn nicht, laßt ihn in Ruh!
   Wär er es nicht - vielleicht wärst's du!

   Verfasser unbekannt